
Stolpersteine erzählen – Jugendliche entwickeln digitale Kunstwerke zur Erinnerungskultur
Wie können Jugendliche heute einen eigenen Zugang zu den Lebensgeschichten von Menschen finden, an die Stolpersteine erinnern? Und wie können aus historischer Recherche neue Formen digitaler Erinnerungskultur entstehen?
Mit diesen Fragen beschäftigt sich das Projekt „Stolpersteine erzählen – Jugendliche entwickeln digitale Kunstwerke zur Erinnerungskultur“, das die Arbeit und Kultur Saarland gGmbH vom 24. bis 28. August 2026 in Saarbrücken durchführt.
Insgesamt 38 Schülerinnen aus drei saarländischen Schulen nehmen an der Projektwoche teil: eine 8. Klasse der Willi-Graf-Realschule Saarbrücken, zwei Schülerinnen der Klassenstufe 11 aus der Stolpersteine-AG der Gemeinschaftsschule Nohfelden-Türkismühle sowie sechs Schülerinnen der Klassenstufen 9 und 10 der Montessori Gemeinschaftsschule in Friedrichsthal.
Von der historischen Recherche zum digitalen Kunstwerk
Ausgangspunkt der Projektarbeit sind die Lebensgeschichten von Menschen, an die Stolpersteine in Saarbrücken erinnern. Zum Auftakt der Projektwoche erhalten die Jugendlichen im TiV – Theater im Viertel eine Einführung in die digitale Recherche. Frau Dr. Sabine Graf von der Landeszentrale für politische Bildung des Saarlandes stellt ihnen unter anderem die App „Stolpersteine digital“ sowie weitere digitale Archive und Rechercheangebote vor.
Auf Grundlage ihrer Recherchen entwickeln die Jugendlichen anschließend eigene künstlerische Zugänge zu den Biografien. Dabei werden sie von drei professionellen Kunstschaffenden begleitet: Melanie Streibelt im Bereich Schreiben und Literatur, Sebastian Heinz im Bereich Musik und Klang sowie Felix Noll im Bereich Fotografie und Film.
In den verschiedenen Werkstätten können Texte, Fotografien, Filmaufnahmen, Sprache, Geräusche und Musik miteinander kombiniert werden. Entstehen sollen kurze digitale Kunstwerke von ungefähr einer Minute Länge. Denkbar sind beispielsweise ein Kurzfilm über einen Stolperstein mit einem selbst geschriebenen und eingesprochenen Text, eine Klangcollage aus Sprache, Musik und Geräuschen oder eine audiovisuelle Miniatur aus Fotografien, Filmsequenzen und literarischen Textfragmenten.
Dabei entscheiden die Jugendlichen selbst, welche künstlerische Form sie für ihre Auseinandersetzung mit einer Biografie wählen. Sie können vor oder hinter der Kamera arbeiten, Texte schreiben und einsprechen, fotografieren, filmen, Musik und Klänge gestalten oder das entstandene Material digital bearbeiten.
Digitale Erinnerung direkt am Stolperstein
Eine Besonderheit des Projekts ist, dass die entstandenen Arbeiten nicht nur während der Projektwoche präsentiert werden sollen. Sie werden Teil einer digitalen und grenzüberschreitenden Erinnerungslandschaft.
Die Arbeit und Kultur Saarland gGmbH ist strategischer Partner des INTERREG-Projekts „JüLiG – Jüdisches Leben in der Großregion“ und kann in dieser Funktion eigene inhaltliche Beiträge in das grenzüberschreitende Projekt einbringen. „Stolpersteine erzählen“ ist ein solcher Beitrag.
Die von den Jugendlichen entwickelten Kunstwerke sollen in die App „Orte der Erinnerung“ integriert werden. Die technische Infrastruktur der App wurde von der EUROKEY Software GmbH entwickelt, die federführender Projektpartner von JüLiG ist.
Die digitalen Kunstwerke werden dort mit den jeweiligen Stolpersteinen und den dazugehörigen Biografien verknüpft. Menschen können so direkt am Stolperstein über ihr Smartphone historische Informationen zu den Opfern abrufen und zugleich die von den Jugendlichen entwickelten digitalen Kunstwerke erleben. Der konkrete Erinnerungsort verbindet sich damit mit historischen Informationen und einer heutigen künstlerischen Perspektive junger Menschen.
Kulturelle Bildung, Erinnerungskultur und digitale Medien
Das Projekt verbindet historische und politische Bildung mit kultureller Bildung und digitaler Medienkompetenz. Die Jugendlichen beschäftigen sich nicht nur mit historischen Fakten, sondern entwickeln aus ihrer Recherche eigene künstlerische Ausdrucksformen.
Dabei arbeiten sie auch mit digitalen Alltagsmedien wie Smartphones und Tablets und lernen, diese als kreative Werkzeuge für Film, Fotografie, Musik, Klang und Sprache einzusetzen.
Die Jugendlichen werden damit selbst zu aktiven Gestalter*innen von Erinnerungskultur. Ihre Arbeiten eröffnen neue Perspektiven auf die Menschen hinter den Namen der Stolpersteine und machen deren Geschichten auch für andere auf eine künstlerische und digitale Weise zugänglich.
Gemeinsam mit starken Partnern
Das Projekt wird von der Arbeit und Kultur Saarland gGmbH konzipiert, organisiert und durchgeführt.
Unterstützt und begleitet wird „Stolpersteine erzählen“ durch den Bildungscampus Saarland, die Landeszentrale für politische Bildung des Saarlandes sowie im Rahmen der strategischen Partnerschaft durch das INTERREG-Projekt „JüLiG – Jüdisches Leben in der Großregion“ und die EUROKEY Software GmbH.
Beteiligt sind außerdem die Willi-Graf-Realschule Saarbrücken, die Gemeinschaftsschule Nohfelden-Türkismühle und die Montessori Gemeinschaftsschule in Friedrichsthal. Der Auftakt der Projektwoche findet im TiV – Theater im Viertel statt.
Förderung ermöglicht kostenfreie Teilnahme
Ermöglicht wird die Durchführung des Projekts durch die Förderung des Ministeriums für Bildung und Kultur des Saarlandes und der VSE-Stiftung.
Die Förderung schafft die finanziellen Voraussetzungen dafür, dass 38 Schülerinnen aus drei saarländischen Schulen fünf Vormittage lang intensiv recherchieren und gemeinsam mit professionellen Künstlerinnen eigene digitale Kunstwerke entwickeln können. Für die teilnehmenden Schüler*innen und Schulen ist die Teilnahme kostenfrei.